Grinzing – Kulturlandschaft?

Kulturlandschaft Grinzing
Grinzing mit seinen Heurigen ist ähnlich wie der Stephansdom ein Synonym für Wien. Insbesondere Gäste aus dem Ausland verbinden den Weinort mit der Kultur- und Musikmetropole Wien. Um diese  außergewöhnliche Weingarten- Kulturlandschaft vor dem Zugriff der Bodenspekulanten zu bewahren initiierte die  „Vereinigung der Freunde Grinzings“ die Welterbe-Nominierung.

Doch das Kulturministerium lehnt einen diesbezüglichen Antrag bei der UNESCO ab, weil angeblich  „Grinzing die von der UNESCO geforderten Vorausetzungen zur Aufnahme in die Vorschlagliste weder von Qualität und Zusammenhang der Substanz, noch von ihrem Erhaltungszustand her erfüllt“. Eine Begründung wie die Beamten des Kulturministerium zu dieser Auffassung kommen, ist  trotz Einschaltung des Unabhängigen Verwaltungssenat bis heute ausständig.

Welterbestudie verspricht gute Chancen

Entgegen den Behauptungen der Beamten  gibt eine Vergleichs- und Machbarkeitsstudio der Natur-, Kultur- und Landschaftsschutzorganisation „Alliance For Nature“ der Grinzinger Weingarten-Kulturlandschaft an der Flanke des Kahlenberges sehr wohl Chancen, von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt zu werden.

Im Folgenden einige Auszüge aus der Studie:

Vergleicht man die 878  bestehenden Welterbestätten untereinander, so erkennt man den unterschiedlichen Stellenwert. Mit den „Klassikern der Welterbestätten“ wie z.B. die Pyramiden von Ägypten, die Akropolis in Athen, ddie Große Mauer in China, die Galapagos-Inseln in Ecuador, das Taj Mahal in Indien, die Rocky Mountains in den USA oder Machu Picchu in Peru kann sich die Grinzinger Weinregion kaum messen.[…] Hingegen mit Welterbestätten wie den Kaffeeplantagen im Südosten Kubas und dem Muskauer Park an der polnisch-deutschen Grenze braucht die Weingarten-Kulturlandschaft rund um Grinzing keinen Vergleich scheuen.

Vergleich mit Welterbe-Weinregionen

Vergleicht man die europäischen Welterbe-Weinregionen miteinander, so zeigt sich, dass alle diese Welterbestätten dem Kulturerbe (im Sinne einer Kulturlandschaft) zugeordnet sind, aber doch aufgrund unterschiedlicher Kriterien in die Welterbe-Liste eingetragen wurden. Nur die Tokajer Weinregion und die Weinbaukultur der Insel Pico sind nach den selben Kriterien zum Welterbe erklärt worden.

Kulturlandschaft Wachau C (ii) (iv)

Oberes Mittelrheintal C (ii) (iv) (v)

Tokajer Weinregion C (iii) (v)

Weinregion Alto Douro C (iii) (v)

Tatsache ist aber, dass alle genannten Welterbe-Weinregionen als gemeinsamen Nenner die Weinkultivierung aufweisen, ansonst aber ihre Eigenheiten besitzen. Während bei den drei letzgenannten Welterebe-Weinregionen tatsächlich der Wein im Vordergrund steht, sind bei den drei erstgenannten Welterbe-Weinregion auch andere Faktoren für ihren „außergewöhnlichen universellen Wert“ ausschlaggebend (Wachau: altes Siedlungsgebiet mit außergewöhnlichen Architekturdenkmälern; Neusiedler See: einzigartiger Steppensee mit international bedeutender Avifauna; Oberes Mittelrheintal: tradtioneller Verkehrsweg und romantischer Burgenlandschaft).
Kulturlandschaft Wachau
Bemerkenswert  ist, dass die UNESCO bzw. das Welterbe-Komitee in den letzen Jahren immer deutlicher den Weinbau als Kulturerbe  hervorhebt. Dies zeigt sich auch deutlich bei den Bezeichnungen bzw.  Eintragungen in der Welterbe-Liste. Wurden in früheren Jahren die Weinbau-Welterberregionen nur mit der geographischen Namensgebung bzw. mit dem Titel „Kulturlandschaft“  in die Welterbeliste eingetragen, so hat man bei den drei letztgenannten den Titel „Weinregion“ bzw. „Weinbaukultur“ gewählt. Bezeichnend ist auch, dass 2004 eine europäische Weinregion in das Welterbe aufgenommen wurde – die Weingärten der Insel Pico. Dies zeigt, dass nach wie vor die Chance besteht, dass Weinregionen in Europa zum Welterbe erklärt werden.

Gemäß Durchführungsrichtlinien des Übereinkommens und im Vergleich mit anderen Welterbestätten erfüllt die Grinzinger-Weinregion die Kriterien der Welterbe-Konvention zur Aufnahme in die UNESCO -Welterbeliste.(…).

Grosser Bruder Wachau ist bereits Weltkulturerbe!

Die Region an den Flanken des Kahlenberges ist, wie die Geschichte recht deutlich zeigt, geopolitisch als auch kulturell äußerst bedeutsam.

Allein die Tatsache

* dass diese Region – an der Donaupforte, den nordöstlichen Ausläufern der Alpen-das Vordringen des Islams in die abenländische Kultur gestoppt wurde

* dass ohne der Abwehrschlacht am Südosthang des Kahlenbergs, direkt in der Weingartenlandschaft von Grinzing, die europäische Kultur eine ganz  andere sein könnte

* dass sich in dieser Region die bedeutendsten Literaten, Musiker und  Wissenschaftler – zumindest über einen gewissen Zeitraum – aufhielten, verleiht dieser Kulturlandschaft einen geopolitisch und kulturell äußerst bedeutsamen Stellenwert

Erst unlängst brachte DJ Christian Schuhböck wieder zum Ausdruck, „dass sich die Grinzinger Weingarten-Kulturlandschaft durchaus mit den bereits in die  UNESCO- Welterbeliste-Liste  aufgenommenen Weinbau-Regionen messen kann“. Insbesondere gegenüber der Tokayer Weinregion in Ungarn als auch gegenüber den portugisischen Weinbaugebieten Alto Douro und der Insel Pico hat die Weingartenlandschaft am Südosthang des Kahlenberges klare Vorteile. Allein schon der geschichtsträchtige Boden, auf dem zweimal der Islam gestoppt wurde, birgt ein großes Potential für die Aufnahme in die Welterbe-Liste. Schuböck: „Auch bei der Wachau mussten wir gegen den Wiederstand des Kulturministerium kämpfen. Letzlich konntenwir dann noch diese außergewöhnliche Kulturlandschaft nach sieben (!) Jahren Initiative „Welterbe-Wachau“ in den Kreis der Welterbestätten führen. Außerdem sind die Behauptungen von  Bürgermeister Häupl, dass keine Weinregionenins UNESCO-Welterbe aufgenommen werden, schlichtweg falsch. Denn in der Schweiz, wo an scheinend der politische Wille zur Erhaltung von Kulturlandschaftenweitaus  mehr gegeben ist, konnte  2007 die Eintragung der „Weinberg-Terassen in Lavaux“ in die  UNESCO-Welterbe-Liste gefeiert werden.