Geheimgipfel in Grinzing

Supertreff in Grinzing vor 33 Jahren:

Papst Johannes Paul II., der kurz vor dem Besuch von Bush und Gromyko in den Grinzinger Weinbergen meditierte, sagte: „Das ist der zentrale und historische Platz für die lebensnotwendige Verständigung zwischen Ost und West.“

Gerade hier beim Wein und der Fröhlichkeit muß diese todernste Angelegenheit erledigt werden.

So wie das lebende Denkmal Dr. Michael Stern sagt: „Wer es nicht mit Humor schaft, schafft es nie“, haben auch Bush und Gromyko geschmunzelt, als dieser Vorschlag gemacht wurde und doch ist es nicht so weit hergeholt.

Schon anno 450 hatte hier der Heilige Severin zwischen den Rugiern und den romanischen Kelten, den Norikern, friedlich vermittelt, so daß diese sich geordnet zurückziehen konnten.

Um das Jahr 1000 baute Markgraf Leopold der Heilige seine Residenz am Leopoldsberg zum Schutz und der Befriedung des ganzen Gebietes aus.

1450 lobte Papst Pius II. den friedlichen Heurigen in Grinzing.

Auch im Umgang mit den Russen haben die Grinzinger große Erfahrung. 1575 wahrte der bekannte Diplomat, Freiherr Hans von Cobenzl, deutscher Ordenritter, Gesandter am päpstlichen Hof, im Auftrag des röm.-deut. Kaisers Maximilian II. die gefährdeten Handelsinteressen am Moskauer Hof gegenüber Zar Iwan dem Schrecklichen auf ungewöhnliche Art. Phillip von Cobenzl war bis 1793 Österreichischer Staatsvizekanzler und Graf Ludwig von Cobenzl handelte 1797 und 1805 als Staatsvize mit Napoleon die Friedensverträge aus.

Der den Stil am Wiener Kongreß prägte und die Fäden in den Schlafzimmern zog, war der Wahlgrinzinger, Carl Joseph Fürst de Ligné, der schillernde ‚rosarote Prinz‘, der auch hier begraben ist.

1955 gelang es Figl und Raab in legendären Verhandlungen beim Pfarrplatzmayer im Beethovenhaus, die Russen zum österreichischen Staatsvertrag zu bewegen. Das ist der wohltuende Einfluß des guten Grinzinger Weines, immer gelingt es damit, das Persönliche und Menschliche zu berühren.

Wo gab es das sonst auf der Welt, daß wie beim Treff Kennedy-Chruschtschow der Grinzinger Leopold Figl mit Chruschtschow auf seinen Bauernhof fuhr, um den Mais und die Schweine anzuschauen und Wein zu trinken. Figl wettete sogar, daß seine Schweine und sein Mais größer würden wie in der UdSSR.

Und so wurde zum nächsten Treff der Mächtigen Carter-Breschnjew, vor den 25-Jahr Feiern zum Österreichischen Staatsvertrag 1980 der Grinzinger Weltfriedensweingarten gepflanzt und Breschnjew und Carter zwei nebeneinander liegende Weinstöcke gewidmet, die heute noch dort stehen.

Die US-Botschafterin Helene von Damm hat dann auch Reagan seine Rebenurkunde überreicht, und jetzt stehen die Stöcke von Bush, Gromyko und Genscher nebeneinander dort.

Das ist eine wirkliche und lebendige Friedensinitiative, denn was hätten die drei sonst gemeinsam.

Und jetzt werden alle, die noch leben, einmal kommen und ihren eigenen Wein zusammen trinken.

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